Kritiken in Folge der Finanzkrise

In Folge der Finanz- und der derzeitig vorherrschenden Wirtschaftskrise wird die Kritik der Bevölkerung an Unternehmen - vornehmlich Banken - und sogar der aktuellen Wirtschaftsordnung immer lauter. Begriffe, die am häufigsten fallen, sind "Shareholder-Value-Prinzip", "Raffgier" und "Kapitalismus". Im Folgenden sollen diese Begriffe, die damit verbundene Kritik und auch mögliche Gegenkritiken, erläutert werden.

Das Shareholder-Value-Prinzip

In Folge der Finanzkrise und der derzeitig vorherrschenden Wirtschaftskrise wird immer häufiger hinterfragt, ob das Shareholder-Value-Prinzip zukunftsfähig ist.

Das Shareholder-Value-Prinzip kommt ursprünglich aus dem angelsächsischen Raum und beschreibt stark vereinfacht ausgedrückt die Idee, dass die Unternehmensleitung vor allem im Sinne der Anteilseigner (in der Regel sind dies Aktionäre) zu handeln habe. Dies soll an einem eingängigen Beispiel näher erklärt werden.

Herr Meier kauft sich Anteile an der SuperBike Aktiengesellschaft, einem erfolgreichen Rennrad-Produzenten, weil er darauf spekuliert, dass er bei einem späteren Wiederverkauf der Aktien mehr Geld bekommt, als wenn er es einfach auf ein Tagesgeldkonto¹ bei seiner Hausbank angelegt hätte. Das Hauptinteresse von Herrn Meier liegt somit, so lange er die Aktien besitzt, darin, dass das Unternehmen gut läuft! Unter "gut läuft" versteht Herr Mustermann, dass der Aktienkurs (der Kaufpreis für eine Aktie) steigt. Da die Unternehmensleitung der SuperBike AG nach dem Shareholder-Value-Prinzip arbeitet, versucht sie den bestmöglichen Aktienkurs zu erzielen. So kann es beispielsweise vorkommen, dass 2000 Arbeitnehmer aus Kostengründen entlassen werden, was Herr Meier und andere Aktienanleger freut, weil der Aktienkurs mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit steigt.

Kritiker des Shareholder-Value-Prinzips führen deshalb an, dass den Aktienanlegern und der Unternehmensleitung nicht das Unternehmen als solches wichtig ist, sondern nur, wie gut es für die Aktienanleger "dasteht".

Andererseits kann man aber entgegnen, dass Aktienanleger sehr wichtig für ein Unternehmen sind, da das Unternehmen durch sie Finanzmittel bekommt. Außerdem tragen Aktienanleger auch ein nicht zu unterschätzendes Risiko: Geht das Unternehmen zum Beispiel pleite (Fachleute sagen: "insolvent") oder sinkt der Aktienkurs auf ein dramatisches Tief und verharrt dort (siehe Deutsche Telekom AG), so haben sie ihr Geld in den Sand gesetzt.

¹ Wenn man Geld auf ein Tagesgeldkonto legt, bekommt man je nach Kontoart entweder jeden Monat oder einmalig im Jahr die Zinsen gutgeschrieben. Rechenbeispiel: Legt man 100 € bei einem Zinssatz von 1,5 % p.a. (per anum = pro Jahr), so erhält man nach einem Jahr 1,50 € (unter der Voraussetzung, dass sich die Zinsen nicht ändern).

Die Raffgier

Der Begriff "Raffgier", der das rücksichtslose Streben nach materiellem Besitz (Geld, Statussymbolen, etc.) beschreibt, taucht gerade im Zusammenhang mit Bankern in letzter Zeit ziemlich häufig auf. Es wird an einigen Bankern und ihren Managern kritisiert, dass sie nicht nur die Finanzkrise zu verantworten haben, sondern zum Teil auch noch die Dreistigkeit besitzen, Bonuszahlungen (Erfolgszahlungen) abzukassieren.

Ansonsten wird der Begriff aber auch für Unternehmer verwendet, die damit ihr Geld verdienen, auf windige Art und Weise Geschäfte zu machen. So gab es in der Vergangenheit häufig Fälle, in denen fremde Unternehmer (Investoren) sich die Anteile eines Unternehmens kauften, um es dann vor allem unter dem Aspekt Gewinnmaximierung zu zerschlagen. Am Ende gingen solche Unternehmen insolvent und die sozialen Kosten trug die Gesellschaft.

Kapitalismus

Der Kapitalismus, Synonym für marktwirtschaftlich geprägte Wirtschaftsordnungen, ist eine Wirtschaftsordnung, die sich in den meisten Ländern dieser Erde als die erfolgsreichste durchgesetzt hat.

Der Kapitalismus beruht darauf, dass sich Produktionsmittel (Werkzeuge, Maschinen, Arbeiter, etc.) im Privateigentum von Unternehmern befinden. Sie sind also für die gesamte Planung verantwortlich, tragen das gesamte Risiko und haften mit ihren Geldern. Der Staat setzt nur einen ordnenden Rahmen.

Eine weitere wichtige Eigenschaft der Wirtschaftsordnung ist die Tatsache, dass es Konkurrenz gibt, dass heißt, dass in den meisten Brachen mehrere Mitbewerber in Konkurrenz zu einander stehen.

Kritisiert wird am Kapitalismus, dass die Wirtschaftsform zwar vielen Menschen zu einem gewissen Wohlstand verholfen hat, aber oftmals bei der Wohlstandsschaffung bestimmte Aspekte völlig außer Acht gelassen wurden. So sind zum Beispiel die zweistelligen Wachstumsraten der Volksrepublik China nur auf Kosten der Umwelt möglich.

Des Weiteren wird kritisiert, dass viele Unternehmen nicht sozial handeln, obwohl dies sogar im Grundgesetz ("Eigentum verpflichtet") festgeschrieben ist. Auch die zum Teil mehr als üppigen Gehälter der Manager, die sowohl bei Erfolg sowie bei Misserfolg gezahlt werden, erregen die Gemüter.

Gegen die Kapitalismuskritik spricht, dass andere Wirtschaftsformen wie das genaue Gegenmodell, die Planwirtschaft, bis jetzt nirgendwo erfolgreich gewesen ist. Die DDR beispielsweise, wäre, wenn nicht die Mauer gefallen wäre, bankrott gewesen. Auch die Volksrepublik China wäre keineswegs so erfolgreich, wenn sie nicht auch ohne es ehrlich zuzugeben auf eine marktwirtschaftlich geprägte Wirtschaftsordnung setzen würde.

Hinzu kommt, dass wir in Deutschland keinen reinen Kapitalismus (Laissez-Faire-Kapitalismus) haben, sondern die soziale Marktwirtschaft, die versucht die Vor- und Nachteile von Kapitalismus und dem Gegenmodell Planwirtschaft zu vereinen.

Staatliche Eingriffe, die von den Kritikern, oftmals gefordert werden, mindern auf lange Sicht den Wohlstand aller, wie verschiene Wissenschaftler (wie z.B. Adam Smith oder John Nash) mehrfach belegt haben.

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