Ratgeber journalistisches Schreiben

Ob Sie einen Zeitungsartikel, einen Magazinbeitrag oder einen Blogeintrag schreiben, in jedem Fall ist es von Vorteil, sich einmal Gedanken über das journalistische Schreiben gemacht zu haben.

Einführung

Zu Beginn dieses Ratgebers sollten wir uns zuerst einmal klar machen, was die Aufgabe vom journalistischen Schreiben ist. Dies ist gar nicht so einfach, da es für einen Journalisten keine allgemeingültige Definition gibt. Grund hierfür ist die Tatsache, dass sich jeder Journalist nennen darf, was eng mit dem Grundgesetz zusammen hängt. Dort heißt es nämlich in Artikel 5:

"Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt."

Journalisten sind also grob gesagt Menschen, die sich mit ihrer Umwelt auseinandersetzen und ihre gewonnenen Erkenntnisse anderen, den Lesern, zugänglich machen.

Die Zielgruppe

Wenn aber ein Journalist andere Menschen informiert, sollte auch klar sein, dass die Zielgruppe beim Schreiben eine ganz wichtige Rolle einnimmt. Schreiben Sie beispielsweise einen wissenschaftlichen Artikel, so kann man erwarten, dass Sie Fachvokabular verweden. Dies sollten Sie aber nur machen, wenn es wirklich sinnvoll ist und nicht des Verwenden wegens.

Schreiben Sie hingegen einen Blogeintrag auf einem sehr allgemein gehaltenen Blog, sollten Sie auf Fachvokabular größtenteils verzichten oder es, wenn es nicht anders geht, verwenden, aber gleichzeitig auch erklären. Ansonsten vertreiben Sie Ihre Leser schneller als es Ihnen lieb ist.

Beachten Sie beim Schreiben Ihre Zielgruppe und passen sich deren Erwartungen an.

Katzencontent vermeiden - Seriösität wahren

Es gibt Tage, Wochen oder manchmal sogar Monate, in denen nicht viel passiert. Dies verleitet viele Medien leider oftmals dazu, belanglosen Inhalt - in der Medienbranche auch Katzencontent genannt - als Lückenfüller zu nutzen.

Katzencontent ist aber nur ein scheinbar nützlicher Informationslochüberbrücker, denn in den meisten Fällen verärgern Sie damit Ihre Leser. Sie können sich nämlich sicher sein, dass andere Medienformate ebenfalls versuchen werden, Lücken zu füllen. Dabei kann man mit ein paar kleinen Kniffen die Not zur Tugend machen:

  • Greifen Sie eine alte Geschichte à la "Was ist eigentlich aus Herrn Meier geworden?"
  • Betrachten Sie etwas aktuelles oder vergangenes aus einem völlig neuen Blickwinkel.
  • Gehen Sie auf die geschichtliche Entwicklung einer aktuellen Begebenheit ein ("Wissen Sie wofür die Abkürzung CeBIT früher stand? Centrum der Büro- und Informationstechnik...")
  • Genau so gut können Sie aber auch über etwas berichten, was sonst eher keinen Platz in der Berichterstattung gefunden hat.

Wenn es Ihnen gut gelingt, ein Informationsloch zu überbrücken, wahren Sie dadurch in jedem Fall ihre Seriösität.

Vermeiden Sie Katzencontent bei Informationsflauten und versuchen sie durch alternative Berichterstattung ihre Seriösität zu wahren.

Titel, Teaser und Bilder vs. die Informationsflut

Jeder Mensch muss sich in seinem Alltag mit einer immer größer werdenden Informationsflut auseinandersetzen, was in der Konsequenz bedeutet, dass Sie die Elemente, die ein Leser zuerst wahrnimmt, besonders sorgsam und gut gestalten müssen. In der Regel sind dies drei Elemente: der Titel, der Lead und das Bild.

Der Titel ist mit das Schwierigste beim Formulieren, soll er doch in einem bzw. maximal zwei Sätzen den gesamten folgenden Text auf den Punkt bringen. Da dies nicht immer möglich ist, gibt es ein paar Tricks, wie man den Titel trotzdem interessant gestalten kann, ohne den Inhalt wirklich zusammenzufassen.

  • Bei einem Interview bietet es sich in der Regel an, ein besonders gutes Zitat des Interviewpartners zu nehmen (Beispiel: "Bildung ist nicht downloadbar").
  • Alliterationen bieten, wenn man sie behutsam und nicht zu häufig einsetzt, auch die Möglichkeit für eine aufsehenerregende Titelbildung (Beispiel: "Knut killt Karpfen.").

Der Lead hat die Funktion eines Vorspanns. Er soll dem Leser als Orientierungshilfe bei der Frage dienen, ob er den gesamten Text lesen will oder nicht. Aus diesem Grund kommt es genau wie beim Titel auf's gute Formulieren an.

In der Regel werden Titel und Lead von einem Bild begleitet. Bei der Auswahl eines Bildes sollten Sie darauf achten, dass es den Beitrag wirklich ergänzt und nicht völlig widersprüchlich zum Inhalt ist. Niemals ein Bild nur des Bildes wegen einsetzen!

Egal wie gut Ihr restlicher Inhalt ist, von entscheidender Bedeutung ist die Gestaltung von Titel, Teaser und Bild. Sie entscheiden darüber, ob sich Ihr Inhalt von der Informationsflut abheben kann oder nicht!

Weiterführende Links

"Mit welchen Tricks das ZDF Über Einsparungen hinwegtäuscht"
"Der fragwürdige Einsatz von Symbolfotografie"

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